Uwe Peter
Top Ten Thüringen - Die längsten Höhlen im FreistaatVorbemerkung: Im April hatte ich den Katasterreferenten des Thüringer Höhlenverein e.V. (THV), Uwe Peter um Überprüfung einer Liste der längsten Höhlen in Thüringen (nach der Gesamtganglänge (GGL)) gebeten. Mit der überarbeiteten Liste erhielt ich einen erklärenden Brief, der nachfolgend auszugsweise und leicht überarbeitet dokumentiert wird. André
Lieber André, nach dem Eingang Deines Briefes habe ich mich eingehend mit den Daten zu den zehn längsten Höhlen Thüringens beschäftigt. Ich habe die Tabelle ergänzt und korrigiert (Stand: 21.05.2000). Dabei haben sich einige Neuigkeiten und Veränderungen ergeben, die ich noch kurz kommentieren möchte.
Numburghöhle und Barbarossahöhle sind bisher nicht in das Höhlenkataster des THV aufgenommen worden, weil die Festlegung der Katastergrenzen in der 1991 beschlossenen Katasterordnung die Nichteinbeziehung der nordthüringer Sulfatkarstgebiete zur Folge hat. Allerdings spricht nichts dagegen, die beiden Höhlen in einer entsprechenden Rangliste für Thüringen mit aufzuführen.
Bei der Rauensteiner Höhle u.a. großen Höhlen scheint es gerade in Hinsicht auf weitere TopTen-Anfragen sinnvoll zu sein, eine tabellarische Aufstellung zur Ermittlung der GGL anzulegen.
Bei der Ermittlung der GGL der Altensteiner Höhle habe ich die derzeitigen Daten aus dem im Mai 1999 anläßlich der 39. Jahreshauptversammlung neu erstellten Höhlenplan von Klaus Krüger verwendet (horizontale Ganglänge 1352 Meter). Ob es sich dabei um die reale GGL der Altensteiner Höhle handelt, ist unsicher. Die Neuentdeckungen von 1998 und 1999 sind hier noch nicht mit berücksichtigt.
In der Ritterhöhle wurde bislang ein Polygonzugnetz von weit über 2000 Metern vermessen. Schon deshalb sind die angegebenen 1000 Meter GGL nicht untertrieben. Für konkretere Angaben muß eine tabellarische Aufstellung aller Gangstrecken erfolgen.
Für die Allendorfer Tropfsteinhöhle liegen im THV-Höhlenkataster zwei unterschiedliche Längenangaben vor. Ingolf Heinze (Königsee) gab 1983 eine Länge von 520 m an, Reinhard Völker (1988) 300 m. Nach eigener tabellarischer Ermittlung wurden 307 Meter errechnet, deshalb habe ich die GGL dieser Höhle auf 300 Meter abgerundet.
Bei der Goetzhöhle muß die Gesamtlänge von 370 Metern auf 242 Meter reduziert werden, weil für diese Längenangabe nur die natürlichen Hohlräume in Frage kommen. Es sind insgesamt 11 natürliche Spalten vorhanden, welche mit ihrer jeweiligen Längenausdehnung in die Berechnung einbezogen wurden. Außerdem wurden bei der Erschließung zur Schauhöhle insgesamt 243 Meter Stollen in den verschiedensten Etagen der Höhle künstlich angelegt, womit das gesamte Objekt insgesamt 485 Meter lang ist.
Ich habe weitere Höhlen bis zur Nummer 20 eingefügt, ohne weiter auf die Quellen einzugehen, mit einer Ausnahme, die für diese Ausarbeitung noch wichtig erscheint.
Als besonders kompliziert hat sich die Ermittlung der Gesamtganglänge der Oberfeldhöhlen bei Dienstedt erwiesen. Zum Teil bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Daten verschiedener Quellen. Die Längenangaben für die Oberfeldhöhle 2 (Große Dienstedter Höhle) schwanken von 91 m und 140 m. Ich habe 108,5 m ermittelt.
Die Höhle wurde von Mitte bis Ende der neunziger Jahre durch ABM-Kräfte als "Dienstedter Höhle" zum Schauobjekt ausgebaut. Die Oberfeldhöhlen 2 und 3 wurde durch einen etwa 32 Meter langen künstlichen Stollen miteinander verbunden. Das dadurch geschaffene Schauobjekt hat eine Gesamtganglänge von 156,5 Meter, von diesen sind 124,5 m (108,5 m + 16 m) natürlich entstanden.
Die längsten Höhlen in Thüringen (nach der Gesamtganglänge - Stand: 21. Mai 2000) |
|||||
Höhle | Ort | Kreis | GGL | Quelle (aktuell) | |
1 | Numburghöhle | Auleben | KYF | 1750 m | [8] [11] [12] [13] |
2 | Rauensteiner Höhle | Rauenstein | SON | 1637 m | [4] [6] [11] [12] [15] |
3 | Altensteiner Höhle | Schweina | WAK | 1352 m | [4] [9] [11] [12] [15] |
4 | Ritterhöhle | Thal | WAK | 1000 m | [4] [11] [12] [13] |
5 | Kittelsthaler Tropfsteinhöhle | Kittelsthal | WAK | 726 m | [4] [5] [12] [13] |
6 | Barbarossahöhle | Rottleben | KYF | 670 m | [8] [11] |
7 | Erdfall, Felsenkeller | Bad Liebenstein | WAK | 600 m | [4] [12] |
8 | Allendorfer Tropfsteinhöhle | Allendorf | SLF | 300 m | [3] [4] [12] [14] |
9 | Bornloch | Jenalöbnitz | SHK | 284 m | [1] [4] [12] [14] |
10 | Zinselhöhle | Meschenbach | SON | 250 m | [4] [6] [12] [15] |
11 | Goetzhöhle | Meiningen | SM | 242 m | [2] [4] [15] |
12 | T-1 | Rauenstein | SON | 190 m | [4] [6] |
13 | Dicelhöhle | Ruhla | WAK | 160 m | - |
14 | Teufelslöcher | Jena | J | 130 m | - |
15 | Hauenstein-Klufthöhle | Meiningen | SM | 120 m | - |
16 | Froschloch | Meschenbach | SON | 120 m | - |
17 | Oberfeldhöhle 2 | Dienstedt | IK | 108,5 m | [4] [12] |
18 | Tannhäuserhöhle | Kälberfeld | WAK | 108 m | - |
19 | Wüste Kirche | Dosdorf | IK | 100 m | - |
20 | Schäferspalte | Plaue | IK | 100 m | - |
- | Heimkehle (Eingang und wesentliche Höhlenteile in Sachsen-Anhalt) |
Uftrungen | 1780 m | [8] [11] |
Wichtige Literatur | |
[1] | Autorenkollektiv (1989): Bomlochhöhle.- in: Exkursionsführer Höfotreffen Jena 1989: 9-10 |
[2] | FOHLERT, R. (2000): Die Ermittlung der Gesamtlänge der Goetzhöhle (unveröff.) |
[3] | HEINZE, I. (1983): Höhlenkataster der DDR, Abt. Thüringen, Mtbl. 5332 und 5333 (unveröff.) |
[4] | HÖRCHNER, A. (1994): Zum Bearbeitungsstand des Höhlenkatasters Thüringen.- in: Höhlenforschung in Thüringen, 8 (Oktober 1994) |
[5] | HÖRCHNER, A. & G. MALCHER (1996): Neuerkundungen in der KittelsthalerTropfsteinhöhle.- in: Höhlenforschung in Thüringen, 10 (Dezember1996) |
[6] | HÖRCHNER, A. & B. ELLRICH (1999): Das Schalkauer Muschelkalkplateau (Exkursion G).- in: Höhlenforschung in Thüringen, 12 (Mai 1999) |
[8] | KEMPE, S. & A. HELBING (2000): Die ,,Größe" deutscher Gipshöhlen.- in: Die Höhle, 51(1) |
[9] | KRÜGER, K. (1999): Altensteiner Höhle - Grundriß.- Mitteldt. Speläol. Gesellschaft e. V., 9.5.99 |
[11] | MÜLLER, T. & A. WOLF (1999): Die längsten und tiefsten Höhlen Deutschlands - Stand 9/99.- in: Mitt. VdHK, 45 (4) |
[12] | PETER, U. (2000): Forschung Aktuell: Die 10 längsten Höhlen Thüringens.- in: Infoheft des Thüringer Höhlenverein e.V.: 14; Seebach. |
[13] | VÖLKER, R. (1988): Höhlenkataster DDR - Bezirk Erfurt/Gera/Suhl.- Karstmuseum Heimkehle (unveröff.) |